Du stehst im Cockpit deines Sim-Rigs, das Lenkrad fest in der Hand, der Runden-Ticker blinkt, und du siehst: Deine Bestzeit stagniert. Du fährst Runde um Runde, aber irgendetwas fehlt – eine Konstanz, ein Feinschliff, eine Schwäche, die du nicht benennen kannst. Genau hier setzt das Thema Rundenzeiten analysieren an: Nicht mehr blind Runden zu drehen, sondern systematisch Daten zu interpretieren, Schwachstellen zu erkennen und gezielt zu optimieren.
Wenn du lernst, Rundenzeiten analysieren richtig zu betreiben, wirst du in jeder Session Fortschritte machen – nicht primär durch mehr Glück, sondern durch fundierte Einsichten und bewusste Anpassungen. In diesem Artikel bekommst du einen vollständigen Leitfaden an die Hand: von der Datenerhebung über Methoden zur Auswertung bis hin zu Praxisbeispielen und konkreten Umsetzungsstrategien im SimRacing.
Lass uns starten mit den Grundlagen.
1. Grundlagen: Was bedeutet Rundenzeiten analysieren überhaupt?
1.1 Definition & Zielsetzung
Rundenzeiten analysieren heißt, dass du deine gefahrenen Zeiten sowie begleitende Telemetriedaten systematisch auswertest, um zu verstehen, warum eine Runde so lief, wie sie lief — und wo du Zeit verlierst oder gewinnen kannst. Ziel ist nicht, die perfekte Runde zu erraten, sondern messbar Schritt für Schritt Verbesserungen herauszuarbeiten.
1.2 Relevante Datenquellen
Damit du präzise analysieren kannst, brauchst du verschiedene Datenquellen:
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Beschreibung
Jetzt bei Amazon ansehen- Rundentimer / Splits / Sektorzeiten
- Telemetrie-Daten (Fitness deines Setups, Geschwindigkeit, G-Kräfte, Brems- & Gaspedalverläufe)
- Reifendaten / Temperaturverteilungen
- Setup-Informationen (Setup-Sheets)
- Onboard- / Outboard-Replays mit Overlay
- Vergleichs- / Referenzrunden (Ghost, Coacher, erfahrene Fahrer)
Wenn du diese Quellen parallel auswertest, erhältst du ein ganzheitliches Bild deiner Performance.
1.3 Warum viele SimRacer nur unzureichend analysieren
Viele Fahrer schauen nur auf ihre Bestzeit oder den Rundentacho und sagen sich: „Das war gut / schlecht.“ Aber ohne Analyse bleibt es subjektiv. Der Schlüssel liegt darin, Abweichungen aufzubrechen: In welchem Sektor, bei welcher Kurve, mit welchem Verhalten hast du verloren? Erst durch Datenanalyse kannst du Training zielgerichtet gestalten.
2. Der strukturierte Analyseprozess
Damit dein Vorgehen beim Rundenzeiten analysieren effizient und systematisch ist, empfehle ich dir diesen Prozess:
- Daten sammeln
- Sektor- / Splitvergleich
- Abweichung identifizieren
- Ursachenhypothese bilden
- Test / Anpassung umsetzen
- Gegenüberstellung & Validierung
Jeder dieser Schritte verdient Aufmerksamkeit — im Folgenden gehen wir sie nacheinander durch.
2.1 Daten sammeln
Bevor du etwas vereinfachst oder filterst, musst du möglichst detaillierte Rohdaten sammeln:
- Sichere deine Runden mit Telemetrie-Logging
- Achte darauf, dass alle Sensoren funktionieren (Gaspedal, Bremse, Raddrehzahlen, Geschwindigkeit, Längs-/Querkräfte)
- Stell sicher, dass Reifendaten (Temperaturen, Druck) erfasst werden
- Speichere Setup, Wetter, Streckenbedingungen, Reifenalter etc. für jede Runde
Diese Datensammlung erlaubt dir später Korrelationen zu erkennen (z. B. heißt: bei hohen Reifentemperaturen verloren, oder unter Setup X: mehr Untersteuern).
2.2 Sektor- / Splitvergleich
Der nächste Schritt: Zerlege deine Runde in sinnvolle Sektoren oder Splits (z. B. drei oder vier Abschnitte). Vergleiche deine Zeiten mit bestmöglichen Runden oder Referenz-Splits:
- In welchem Sektor bist du besonders langsam?
- Wo hast du größere Differenzen zum Referenzfahrer?
- In welcher Kurve verlierst du überdurchschnittlich viel Zeit?
Du wirst merken: Oft lassen sich große Eingriffe bereits durch diese Analyse erkennen.
2.3 Abweichung identifizieren
Wenn du einen langsamen Sektor erkannt hast, musst du tiefer einsteigen:
- Analysiere Geschwindigkeit über Kurve vs. idealer Linie
- Betrachte Brems- und Gaspedalverläufe
- Prüfe Quer- und Längskräfte, Wheelspin oder Blockieren
- Schau auf Reifentemperaturen – war eine Seite zu heiß / zu kalt?
- Vergleich mit Setup-Daten – hat dein Setup einen Nachteil in dieser Kurve?
Du willst herausfinden: Warum verlierst du in diesem Kurvenbereich Zeit?
2.4 Ursachenhypothese bilden
Aus deinen Daten ziehst du eine Hypothese: z. B. „Ich habe zu früh Gas gegeben, wodurch das Heck ausbrach und ich einen Korrekturradius gefahren bin“ oder „Der Sturz hinten ist zu stark, deshalb innenfrüh ausgekühlt und weniger Grip“.
Notiere dir diese Hypothesen – sie werden deine Grundlage für gezielte Anpassungen.
2.5 Test / Anpassung umsetzen
Nun kommt der experimentelle Teil:
- Ändere nur einen Parameter (z. B. Sturz, Dämpfung, Bremsbalance)
- Fahre mehrere Runden mit neuer Einstellung
- Halte deine Hypothese gegen die Ergebnisse (d. h., hat die Änderung die Differenz im Zielsektor verringert?)
- Notiere dafür Setup-Sheet, Rundenzeiten, Telemetrie
Wichtig: Keine wilden Mehrfachänderungen, denn sonst weißt du später nicht, was tatsächlich gewirkt hat.
2.6 Gegenüberstellung & Validierung
Vergleiche deine alten und neuen Läufe:
- Hat sich die Sektorzeit verbessert?
- Sind die Daten (Geschwindigkeit, Kräfte, Temperaturen) konsistenter?
- Gab es unerwünschte Effekte in anderen Sektoren (z. B. schneller in Kurve A, aber langsamer in Kurve B)?
- Wenn ja: Passe zurück oder feile weiter
Dieses zyklische Verfahren bringt dir konsequent Verbesserungen – und stellt sicher, dass du nicht an Symptomen herumstellst, sondern an Ursachen arbeitest.
3. Wichtige Metrics & Indikatoren für deine Analyse
Damit dein Rundenzeiten analysieren nicht nur oberflächlich bleibt, hier Schlüsselmetriken, auf die du besonders achten solltest:
3.1 Geschwindigkeit über Zeit / Distanz
Eine saubere, stetige Steigerung der Geschwindigkeit ist ein Zeichen für gute Linie, wenig Zeitverlust und kontrollierte Gasführung. Große Plateaus oder Einbrüche deuten auf Fehler oder restriktives Setup hin.
3.2 Bremsverläufe & Pedalkurven
- Wo beginnt dein Bremsen?
- Wie hoch ist der maximale Bremsdruck, und wie konstant hältst du ihn?
- Wie sauber löst du die Bremse (Trail Braking)?
- Ruckartige Veränderungen weisen auf Unsicherheit oder Setup-Missmatch hin
3.3 Gaspedalverläufe & Wheelspin
- Wie früh setzt du Gas an?
- Wie progressiv ist dein Gasaufbau?
- Gibt es deutliche Schlupfspitzen (positives Wheelspin)?
- Wenn ja: Kontrolle über Gasführung verbessern oder Differenzial / Traktionskontrolle justieren
3.4 Quer- / Längskräfte (G-Kräfte)
- Ausnutzung des Gripbereichs: je näher du an der maximal möglichen G-Kombination fährst, desto effizienter
- Wenn du hohe Querkräfte mit geringem Längskräfteinsatz erreichst, nutzt du Fahrdynamik clever
3.5 Reifentemperaturen & Druckverläufe
- Temperaturverteilung innen / Mitte / außen
- Wenn eine Seite überhitzt, deutet das auf falschen Sturz oder ungleichmäßige Belastung
- Druckanstieg über Runden (z. B. 0,1 bar pro Runde) kann auf Überlast hindeuten
3.6 Konsistenz über Runden
- Streuung der Zeiten: wie stark variieren deine Sektorzeiten bei gleichen Linien?
- Ein Setup oder Fahrstil mit großer Varianz ist weniger belastbar im Rennbetrieb
4. Praxisbeispiele: So funktioniert Rundenzeiten analysieren im Einsatz
Hier zwei exemplarische Fälle, wie du mit Datenanalysen echte Zeitgewinne erzielen kannst.
Beispiel 1: Sektorverlust durch falschen Bremspunkt
Du vergleichst deine Runde mit einer Idealspur und siehst, dass du in Sektor 2 konsequent 0,4 s verlierst. Du schaust auf den Bremsverlauf: Dein Bremsbeginn liegt 10 m früher als beim Referenzfahrer, der aber mit sanftem Lineardruck später, dafür kräftiger und stabiler bremst. Deine Hypothese: du verzichtest auf späteres Bremsen, fährst konservativ. Du veränderst gezielt den Bremspunkt (5 m später) in deinem Setup oder Fahrstil, fährst Vergleichsrunden – und gewinnst 0,15 s in diesem Sektor, bei minimalem Risiko.
Beispiel 2: Gasaufbau und Wheelspin im Ausgang
In einer schnellen Kurve mit langem Ausgang siehst du, dass dein Gasverlauf im letzten Drittel stark oszilliert – du gibst Gas, es rutscht, du reduzierst, und wieder Anstieg. Dein Vergleich zeigt, dass beim Referenzfahrer ein sanfter, linearer Gasaufbau möglich ist. Deine Anpassung: im Setup das Differential etwas lockerer machen oder Traktionskontrolle gering aktivieren, und bewusst seine Gasführung glätten. Ergebnis: weniger Wheelspin, höhere Endgeschwindigkeit, rund 0,2 s Zeitgewinn auf der Geraden.
Diese Beispiele zeigen: Der Unterschied liegt nicht in radikalen Setups, sondern in kleinen, präzisen Verbesserungen durch Daten.
5. Werkzeuge & Hilfsmittel für die Analyse
Damit du performanter rundenanalysieren kannst, hier eine Auswahl nützlicher Tools:
- Simulations-eigene Telemetrie-Module / Logging
- Externe Tools / Apps / Plugins (z. B. Motec-ähnliche Visualizer, Telemetry-Viewer)
- Excel / Spreadsheet / Python / R zur Datenanalyse
- Overlay-Replay-Systeme (Onboard + Telemetrie-Overlay)
- Ghost / Referenzlinien / Coacher-Daten zum Vergleich
- Heatmap-Werkzeuge (z. B. für Reifenabrieb, Geschwindigkeit)
Nutze Tools, die dir ermöglichen, mehrere Datenkanäle gleichzeitig zu plotten (z. B. Geschwindigkeit + G-Kräfte + Pedalkurve) und Korrelationen zu erkennen.
6. Häufige Fehler & Stolperfallen bei der Analyse
Auch bei bester Absicht wirken Analysefehler oft gegenteilig. Hier typische Fallen:
- Zu viele Parameter gleichzeitig ändern → unklare Ursache-Wirkungs-Beziehungen
- Ignorieren von Setup-Unterschieden → du vergleichst Äpfel mit Birnen
- Fokus nur auf Bestzeit, nicht auf Konsistenz → instabiles Setup wird übersehen
- Verzerrte Daten (z. B. wegen Sensorausfällen, Logging-Fehlern)
- Nicht ausreichend Runden vergleichen → Ausreißer fälschlich interpretiert
- Nicht dokumentieren → Wissen geht verloren
- Verleugnung von Limitationen (Fahrgefühl, Grip, Simulationstoleranzen)
Wenn du diese Fallen kennst, kannst du sie vermeiden und deine Analyse verlässlich machen.
7. Tipps & Strategien für effizientere Analysen
Damit du nicht Wochen mit Analysis verschwendest, sondern zielorientiert vorwärtskommst:
- Starte klein: konzentriere dich in einer Session auf einen Sektor
- Überlege dir vorher eine oder zwei Hypothesen, was du testen willst
- Nutze Vergleichsreihen (z. B. Basissetup vs. modifiziertes Setup)
- Dokumentiere streng: Setup, Bedingungen, Ziel, Ergebnis
- Wechsle regelmäßig zwischen Fokus auf Linie / Setup / Fahrtechnik
- Lerne von schnellen Fahrern — analysiere ihre Linien & Telemetrie
- Arbeite iterativ: kleine Anpassungen, testen, lernen
- Nutze visuelle Tools (Plots, Heatmaps) statt reiner Zahlentabellen
- Übe, geduldig zu sein — echte Verbesserungen zeigen sich oft erst nach mehreren Iterationen
Mit diesen Strategien wird das oft als “langsamer Prozess” verrufene Rundenzeiten analysieren zu einem effektiven Instrument deines Fortschritts.
Fazit
Rundenzeiten analysieren ist kein Luxus – es ist eine Kernkompetenz im SimRacing, mit der du planvoll vorankommst. Gewagte Fahrstile oder Setup-Raten funktionieren manchmal, aber nur wer systematisch Daten liest, interpretiert und optimiert, erreicht langfristige Konsistenz und Spitzenzeiten.
Wir haben in diesem Artikel behandelt:
- Die grundlegende Bedeutung und Quellen der Daten
- Einen strukturierten Analyseprozess (Sektorvergleich, Hypothesen, Tests)
- Wichtige Metriken wie Geschwindigkeit, Pedalkurven, G-Kräfte, Reifendaten
- Praktische Beispiele, wie du durch Analyse konkret Zeit gewinnst
- Tools & Hilfsmittel für Auswertung und Visualisierung
- Typische Fehler und wie du sie vermeidest
- Tipps & Strategien, um deine Analyse effizient und zielgerichtet zu machen
Wenn du in deiner nächsten Session nicht nur rennst, sondern Rundenzeiten analysierst, wirst du sehen: kleine Anpassungen, bewusste Hypothesen, gezielte Tests – und dein Fortschritt wird messbar.
Mein Vorschlag: Wähle heute eine Runde mit Bestzeit und zwei vergleichbare Runden, analysiere sie gemeinsam mit Telemetriedaten, finde deinen größten Schwachpunkt – und arbeite in der nächsten Session gezielt daran. Wiederhole das regelmäßig — und du wirst sehen, dass deine Zeiten, deine Konstanz und dein Setupverständnis erhebliche Sprünge machen.
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