Wer sich im SimRacing bewegt, weiß: Nicht nur das Fahrgefühl, sondern auch die Struktur hinter dem Spiel entscheidet darüber, wie realistisch, fordernd und motivierend das Fahrerlebnis ist. Während viele Rennspiele auf Spaß, Fortschritt und Sammeltrieb setzen, orientieren sich echte Simulationen an Motorsport-Standards.
Genau hier kommen die Lizenzsysteme ins Spiel. Sie sind das Rückgrat des kompetitiven SimRacing – sie bestimmen, wie du dich hocharbeitest, wie sauber du fährst, und mit wem du überhaupt Rennen bestreitest.
Doch das Lizenzsystem iRacing vs GT7 zeigt, wie unterschiedlich zwei Welten ticken können: Während iRacing auf ein strenges, performance- und sicherheitsbasiertes Lizenzmodell setzt, nutzt Gran Turismo 7 (GT7) ein eher spielerisches System, das Fortschritt und Lernprozesse betont.
In diesem Artikel werfen wir einen tiefen Blick auf beide Modelle, erklären, wie sie funktionieren, vergleichen Stärken und Schwächen, und zeigen, welches System für dich als SimRacer am meisten Sinn ergibt.
Überblick: Zwei Philosophien, ein Ziel
Sowohl iRacing als auch GT7 verfolgen mit ihren Lizenzsystemen das gleiche Grundprinzip:
Spieler sollen sich fahrerisch verbessern, fair fahren und sich innerhalb eines klaren Rahmens weiterentwickeln.
Aber die Wege dahin unterscheiden sich massiv.
- iRacing: Hardcore-Simulation mit realem Motorsport-Anspruch – Lizenzen regeln das fahrerische Niveau, Sicherheit und Zugang zu Serien.
- GT7: Konsolenorientierte Fahrschule mit Karriere-Element – Lizenzen dienen dem Fortschritt, nicht der Trennung nach Leistung.
Bevor wir vergleichen, schauen wir uns an, wie die Systeme jeweils im Detail funktionieren.
Das Lizenzsystem in iRacing – Struktur, Sicherheit und Disziplin
Das Lizenzsystem in iRacing ist eines der ausgeklügeltsten Progressionssysteme im SimRacing überhaupt. Es wurde entwickelt, um sauberes Fahren zu fördern, Fahrer zu trennen und langfristige Motivation zu schaffen.
iRacing Lizenzen im Überblick
Jeder Fahrer startet in iRacing mit sogenannten Rookie-Lizenzen. Von dort arbeitet man sich über verschiedene Stufen nach oben. Die Hierarchie lautet:
| Lizenzstufe | Beschreibung | Zugang zu Serien |
|---|---|---|
| Rookie | Einstieg für alle neuen Fahrer | Basis-Serien (MX-5, Street Stock etc.) |
| D | Anfänger mit ersten Erfolgen | Zugang zu Einsteiger-Rennserien |
| C | Fortgeschrittener Fahrer | Teilnahme an offiziellen Meisterschaften |
| B | Erfahrener SimRacer | Zugriff auf höherklassige Fahrzeuge (GT3, Nascar B) |
| A | Profi-Level | Teilnahme an Top-Ligen (IMSA, F1-ähnliche Serien) |
| Pro / World Championship | Elite | eSports- und Weltmeisterschaftsniveau |
Jede Lizenzkategorie gilt separat für verschiedene Rennarten: Road, Oval, Dirt Road und Dirt Oval. Du kannst also parallel in mehreren Disziplinen aufsteigen.
Das Safety Rating – das Herz des iRacing Lizenzsystems
Der wichtigste Faktor im iRacing Lizenzsystem ist das Safety Rating (SR).
Es bewertet dein Fahrverhalten in Bezug auf Kollisionen, Offtracks und sauberes Fahren.
So funktioniert das Safety Rating:
- Jede gefahrene Kurve zählt als „Incident Opportunity“.
- Für jeden Kontakt, Dreher oder Offtrack bekommst du sogenannte Incident Points (iPoints).
- Dein SR steigt, wenn du viele saubere Kurven fährst, und fällt, wenn du Fehler machst.
| Ereignis | Punkteabzug |
|---|---|
| Offtrack (z. B. Räder außerhalb der Strecke) | -1 |
| Dreher | -2 |
| Kontakt mit Wand oder Auto | -4 |
| Massencollision oder Blockade | -4 bis -8 |
Die Formel ist simpel:
Je mehr saubere Kurven pro Rennen, desto höher dein Safety Rating.
Das Safety Rating liegt zwischen 0.00 und 4.99.
- Ab 3.0 kannst du automatisch in die nächste Lizenzklasse aufsteigen (Promotion).
- Unter 2.0 droht eine Rückstufung (Demotion).
💡 Beispiel:
Wenn du als C-Lizenz-Fahrer oft in Unfälle verwickelt bist und dein SR auf 1.8 sinkt, wirst du zurück in die D-Klasse gestuft.
Der iRating – dein Leistungsindex
Neben der Lizenz selbst gibt es das iRating.
Dieser Wert misst deine Performance im Wettbewerb – also, wie gut du im Vergleich zu anderen bist.
- Dein iRating steigt, wenn du in offiziellen Rennen gut abschneidest.
- Er sinkt, wenn du hinter deinem Platzierungswert landest oder Unfälle baust.
- Das iRating entscheidet, mit welchen Fahrern du in Rennen gesetzt wirst (Matchmaking).
Kurz gesagt:
Das Safety Rating misst, wie sauber du fährst.
Das iRating misst, wie schnell du fährst.
Fortschritt und Motivation in iRacing
iRacing belohnt langfristiges, diszipliniertes Fahren.
Dein Ziel: hohe Lizenzen, gutes iRating und Teilnahme an exklusiven Serien (z. B. IMSA, Porsche Cup, F1-eske Events).
Das System schafft eine Lernkurve, die realistisches Fahrverhalten erzwingt.
Du kannst nicht einfach durch Crashen „durchkommen“ – wer unsauber fährt, bleibt im Rookie-Bereich stecken.
Fazit:
Das Lizenzsystem iRacing ist streng, aber fair. Es fördert Rennintelligenz, Fairness und Konstanz – wie im echten Motorsport.
Das Lizenzsystem in Gran Turismo 7 – Lernen, üben, freischalten
Gran Turismo 7 (GT7) verfolgt einen völlig anderen Ansatz. Hier ist das Lizenzsystem Teil des Karrieremodus und dient primär der Schulung und Motivation.
Anstatt dein Verhalten in echten Rennen zu bewerten, konzentriert sich GT7 auf Fahrtechniken und Fortschritt – ähnlich wie eine Fahrschule für Rennfahrer.
Die GT7 Lizenzstufen im Überblick
GT7 unterteilt Lizenzen in verschiedene Klassen, die du durch Prüfungen freischaltest:
| Lizenzstufe | Beschreibung |
|---|---|
| National B | Einstieg in Grundlagen (Bremsen, Beschleunigen, Linienwahl) |
| National A | Fortgeschrittene Fahrtechniken, längere Prüfungen |
| International B | Einführung in anspruchsvollere Fahrzeugkontrolle |
| International A | Komplexe Fahrprüfungen mit mehreren Kurvenfolgen |
| Super Licence | Zugang zu Top-Events, Profi-Status |
Jede Lizenz besteht aus 10 Prüfungen, die auf Zeit gefahren werden.
Du erhältst Bronze, Silber oder Gold, je nach Performance.
Beispiel:
- Bestehe alle National-B-Prüfungen → schalte National A frei.
- Bestehe alle Super-Licence-Prüfungen → du hast das maximale Level erreicht.
Fokus auf Lernfortschritt statt Disziplin
Im Gegensatz zu iRacing misst GT7 keine Unfälle oder Kontakte in Online-Rennen für dein Lizenzlevel.
Das Lizenzsystem bleibt vollständig offline und trainingsbasiert.
Ziel ist es, dich mit:
- Bremszonen,
- Kurvenverhalten,
- Fahrzeugkontrolle,
- und Rennlinien
vertraut zu machen.
Die Lizenzen sind also Lehrmodule – sie zeigen dir, wie man fährt, nicht wie man sich im Wettbewerb verhält.
Online-Komponente: DR und SR (Driver Rating & Sportsmanship Rating)
GT7 hat im Multiplayer-Modus dennoch ein Bewertungssystem – das Driver Rating (DR) und das Sportsmanship Rating (SR).
| Wert | Bedeutung |
|---|---|
| DR (Driver Rating) | Misst dein fahrerisches Niveau (Speed & Platzierungen) |
| SR (Sportsmanship Rating) | Bewertet dein Verhalten in Online-Rennen (Fairness, Kollisionen) |
Diese Werte funktionieren ähnlich wie in iRacing, sind aber nicht mit den Lizenzprüfungen verknüpft.
Du kannst also theoretisch eine Super Licence besitzen und trotzdem ein schlechtes Sportsmanship Rating haben.
Vorteile des GT7 Lizenzsystems
- Perfekt für Einsteiger: Schrittweise Einführung in Renntechniken
- Motivierend: Erfolgserlebnisse durch Medaillen
- Visuell & zugänglich: Intuitive Prüfungen, sofortiges Feedback
- Keine Strafen oder Rückstufungen: Kein Frust bei Fehlern
Lizenzsystem iRacing vs GT7 – Der direkte Vergleich
Um die Unterschiede klar zu machen, fassen wir die Systeme gegenübergestellt zusammen.
| Kriterium | iRacing | GT7 |
|---|---|---|
| Zielsetzung | Realistische Einstufung und Fairness im Wettbewerb | Schulung und Fortschritt im Karrieremodus |
| Lizenzarten | Road, Oval, Dirt, Dirt Road (Rookie → A → Pro) | National B → Super Licence |
| Fortschritt | Durch Rennen, Safety Rating und MPR (Teilnahmen) | Durch bestandene Prüfungen |
| Messsystem | Safety Rating (SR) & iRating | Driver Rating (DR) & Sportsmanship Rating (SR) |
| Disziplinarfaktor | Unfälle & Offtracks senken Rating | Keine direkten Konsequenzen |
| Motivationsfaktor | Zugang zu besseren Serien & Wettbewerben | Freischalten neuer Events & Medaillen |
| Online-Relevanz | Zentral (Matchmaking, Serien) | Ergänzend (separates DR/SR-System) |
| Realismusgrad | Sehr hoch, realer Motorsport-Ansatz | Mittel, Fokus auf Zugänglichkeit |
| Frustpotential | Hoch (bei Rückstufung) | Niedrig (kein Lizenzverlust) |
| Lernfaktor | Praxisorientiert, disziplinbasiert | Theoretisch & strukturiert |
Praxisbeispiel: Zwei Fahrer, zwei Systeme
Beispiel 1 – iRacing-Fahrer:
- Tim startet als Rookie auf dem Mazda MX-5.
- Nach 10 sauberen Rennen erreicht er SR 3.2 → Lizenz D.
- Nach weiteren Events steigt er in C auf.
- Ein Unfallreicher Monat? SR sinkt unter 2.0 → Rückstufung auf D.
Beispiel 2 – GT7-Fahrer:
- Anna startet mit National B und meistert alle Prüfungen mit Silber.
- Sie erhält National A und schaltet neue Events frei.
- Online sammelt sie DR A, SR S – sie ist fair, aber die Lizenzen bleiben unabhängig davon bestehen.
Welche Philosophie ist besser für SimRacer?
Hier scheiden sich die Geister:
iRacing – Für Realismus-Fanatiker
Das System bildet echtes Motorsportverhalten ab:
- Sauberes Fahren ist entscheidend.
- Falsches Verhalten wird bestraft.
- Zugang zu Top-Serien erfordert Können und Disziplin.
Ideal für:
SimRacer, die ernsthaft und langfristig trainieren, in Ligen fahren oder Esports anstreben.
GT7 – Für Lernfreudige und Casual-Fahrer
Das System fördert Lernfortschritt, ohne Druck.
Man kann spielerisch besser werden und die Grundlagen des Fahrens erlernen.
Ideal für:
Einsteiger, Konsolenspieler oder alle, die den Spaß am Fahren ohne Strafdruck suchen.
Vorteile und Nachteile im Überblick
| Aspekt | iRacing Vorteile | iRacing Nachteile |
|---|---|---|
| Realismus | Höchste Authentizität | Hoher Frust bei Fehlern |
| Motivation | Wettbewerb & Struktur | Lernkurve steil |
| Online-Rennen | Fair & sauber | Teuer (Abo + Content) |
| Lernfaktor | Praxisbasiert | Wenig Tutorials |
| Aspekt | GT7 Vorteile | GT7 Nachteile |
|---|---|---|
| Zugänglichkeit | Einfach, motivierend | Geringere Tiefe |
| Lernkurve | Sanft & visuell | Kein echter Lizenzdruck |
| Online-Spiel | Flexibel | Weniger strenge Matchmaking-Logik |
| Progression | Belohnend | Unrealistisch im Motorsport-Kontext |
Welche Auswirkungen haben die Systeme auf dein Fahrverhalten?
Ein System formt Verhalten. Und das merkt man auf der Strecke.
- In iRacing:
Jeder weiß, dass Kontakte SR kosten. Fahrer bremsen früher, fahren defensiver, planen Überholmanöver. Ergebnis: realistische, faire Rennen. - In GT7:
Da keine Strafen auf Lizenzebene drohen, wird aggressiver gefahren. Trotzdem fördert das SR-System faire Fahrer, aber der Druck ist geringer.
Der Unterschied zeigt sich im Langzeitverhalten:
iRacing trainiert Geduld und Präzision – GT7 trainiert Technik und Spaß am Lernen.
Welche Plattform bietet langfristig mehr Motivation?
Wenn du auf Wettbewerb und Struktur stehst, führt kein Weg an iRacing vorbei.
Das Gefühl, deine Road-Lizenz zu verbessern und an Top-Events teilzunehmen, ist einmalig.
Wenn du dagegen Spaß, Progression und Zugänglichkeit suchst, bietet GT7 den besseren Mix aus Motivation, Lernfortschritt und Komfort.
Fazit: Lizenzsystem iRacing vs GT7 – Welches ist das richtige für dich?
Das Lizenzsystem iRacing vs GT7 zeigt exemplarisch den Unterschied zwischen Simulation und Spiel.
Beide Systeme funktionieren hervorragend – aber für völlig unterschiedliche Zielgruppen.
- iRacing:
Realistisch, diszipliniert, streng – das System belohnt Fairness und Können.
Ideal für SimRacer, die ernsthaft Motorsport simulieren wollen. - GT7:
Zugänglich, lehrreich und motivierend – das System fördert Lernen und Fortschritt ohne Druck.
Ideal für Einsteiger und Spaßfahrer.
Am Ende gilt:
Das beste Lizenzsystem ist das, das dich motiviert, sauber und konzentriert zu fahren – egal ob in iRacing oder GT7.
Wenn du also den nächsten Schritt im SimRacing gehen willst, überlege, was dir wichtiger ist:
Realismus und Verantwortung wie im echten Motorsport? Oder Fahrspaß und Belohnung für Lernfortschritt?
Beides hat seinen Platz – und beides bringt dich weiter als Fahrer.

