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Auf Geraden langsam: Schaltpunkte, Exit-Speed und Aero-Drag im Simracing verstehen und beheben

Du fährst die Kurve gefühlt sauber, triffst den Scheitel, kommst ordentlich raus – und trotzdem passiert es jedes Mal: auf Geraden langsam. Der Gegner zieht neben dir vorbei, als hättest du den Motor abgewürgt. Dieses Problem ist im Simracing extrem häufig, weil es selten nur „ein Fehler“ ist. Meistens addieren sich mehrere kleine Faktoren: ein minimal schlechter Kurvenausgang, ein zu früher oder zu später Schaltpunkt, ein Setup mit zu viel Luftwiderstand, oder ein Fahrstil, der unbemerkt Geschwindigkeit frisst. Und weil Geraden so „simpel“ wirken, übersieht man die Ursachen besonders leicht.

Wenn du auf Geraden langsam bist, steckt die Lösung fast immer in messbaren Dingen: Wie früh bist du wieder voll am Gas? Wie sieht dein Drehzahlband aus? Wo verlierst du Meter, bevor die Gerade überhaupt beginnt? Wie viel Aero-Drag erzeugt dein Auto im Vergleich zu deinem Top-Speed? Der entscheidende Punkt: Top-Speed ist selten nur Top-Speed – er ist oft das Ergebnis von Exit-Speed, Schaltlogik und Widerstand. In diesem Artikel zerlegen wir genau diese Bausteine, damit du nicht nur verstehst, warum du auf Geraden langsam bist, sondern auch einen klaren Plan hast, wie du es abstellst.


Auf Geraden langsam beginnt vor der Geraden: Das Diagnose-Prinzip

Wenn du auf Geraden langsam bist, startet die Analyse nicht am Ende der Geraden, sondern am Ausgang der vorherigen Kurve. Viele Fahrer schauen nur auf Vmax und wundern sich, dass der Wert niedriger ist. In Wahrheit entsteht der Rückstand meist in den ersten 1–2 Sekunden nach dem Kurvenausgang – und der zieht sich dann wie ein Schatten bis zum Bremspunkt. Ein kleiner Unterschied beim Exit-Speed wirkt auf Geraden wie ein Zinseszinseffekt: Wer früher beschleunigt, baut früher Geschwindigkeit auf und kommt früher in höhere Gänge. Das lässt sich später kaum „zurückfahren“.

Arbeite deshalb nach einem einfachen Diagnose-Prinzip: Erst Exit-Speed, dann Schaltpunkte, dann Aero-Drag. Wenn du diese Reihenfolge umdrehst, optimierst du womöglich den Flügel, obwohl du eigentlich zu spät ans Gas gehst – und bleibst trotzdem auf Geraden langsam.

Praktisch bedeutet das:

Wer auf Geraden langsam ist, findet die Ursache oft in genau diesen „kleinen“ Momenten, die man im Cockpit kaum wahrnimmt, die aber im Zeitdelta sofort sichtbar werden.


Auf Geraden langsam durch schlechten Exit-Speed: Der unterschätzte Kurvenausgang

Exit-Speed ist der häufigste Grund, warum Fahrer auf Geraden langsam sind, obwohl sich die Runde „okay“ anfühlt. Auf Geraden gewinnt nicht derjenige mit dem besten Lenkeinschlag – sondern derjenige, der früher stabil Vollgas geben kann. Dabei geht es nicht nur um „früher ans Gas“, sondern um Qualität des Gaspedals: sauberes, progressives Aufziehen, ohne das Auto zu überfordern.

Typische Exit-Speed-Killer:

Ein guter Test: Wenn du auf Geraden langsam bist, prüfe, ob du am Kurvenausgang wirklich 100 % Traktion in Vortrieb umsetzt. Oft ist es schneller, minimal später Vollgas zu geben, dafür aber ohne Lenkkorrektur und mit ruhigem Auto. Du willst den Exit so bauen, dass du den Gashebel ab einem Punkt nur noch in eine Richtung bewegst: nach vorne.

Praxis-Hinweis: Arbeite bewusst mit einem „Exit-Fokus“. Fahre 5 Runden nur mit dem Ziel, am Ausgang absolut stabil zu sein – auch wenn der Scheitel nicht perfekt ist. Viele sind überrascht, wie stark sich der Geradeaus-Speed verbessert, wenn der Exit-Speed sitzt.


Auf Geraden langsam wegen falscher Schaltpunkte: Drehzahlband, Begrenzer und Short-Shifting

Wenn du auf Geraden langsam bist, obwohl der Exit-Speed passt, sind Schaltpunkte oft der nächste Hebel. Viele schalten nach Gefühl: „Kurz vor Begrenzer“ oder „wenn es laut wird“. Das Problem: Je nach Auto, Motorcharakteristik, Turbo/Hybrid und Übersetzung kann der optimale Schaltpunkt deutlich vor oder sogar leicht nach der Peak-Leistung liegen. Und selbst kleine Abweichungen summieren sich über eine lange Gerade zu spürbaren Metern.

Wichtige Mechanismen:

Konkrete Anzeichen für falsche Schaltpunkte:

Arbeite mit einem einfachen Vorgehen: Nimm eine Gerade und teste zwei Varianten über mehrere Runs: einmal „spät schalten“, einmal „früher schalten“ (Short-Shift) – und miss, bei welcher Variante du am Ende der Geraden schneller bist. Wenn du reproduzierbar weniger Topspeed hast, bist du sehr wahrscheinlich auf Geraden langsam, weil du im falschen Bereich des Drehzahlbands arbeitest, nicht weil „der Motor zu schwach“ ist.


Auf Geraden langsam durch Aero-Drag: Wenn Luftwiderstand deinen Top-Speed frisst

Aero-Drag ist der Klassiker, wenn du auf Geraden langsam bist, obwohl deine Linie stimmt. Mehr Abtrieb gibt dir Stabilität und Kurvenspeed – aber er kostet Endgeschwindigkeit. Im Simracing fällt das besonders auf, weil viele Setups aus „Sicherheitsgründen“ zu viel Flügel fahren: Das Auto fühlt sich gut an, aber auf der Geraden wirkt es zugeschnürt.

Die Kunst ist nicht „weniger Flügel um jeden Preis“, sondern das optimale Verhältnis aus Kurventempo und Geradeaus-Speed. Denn: Wenn du zu viel Abtrieb fährst, verlierst du nicht nur Vmax – du verlierst auch Beschleunigung über die gesamte Gerade. Das Ergebnis: konstant auf Geraden langsam, selbst wenn du perfekt schaltest.

Typische Aero- und Setup-Faktoren, die Drag erhöhen:

Wichtiger Praxispunkt: Wenn du Wing reduzierst und plötzlich am Kurvenausgang früher ans Gas kannst, kann sich das doppelt lohnen. Umgekehrt: Wenn weniger Wing dich zwingt zu lupfen oder zu korrigieren, bist du am Ende trotzdem auf Geraden langsam, weil der Exit-Speed leidet.

Setze daher eine klare Messgröße: Vergleiche Runs mit identischem Fahrstil und schau, ob die Geschwindigkeit ab Mitte der Geraden stärker „weiterklettert“. Drag-Probleme zeigen sich oft so, dass du am Anfang normal beschleunigst, aber ab höherem Tempo „gegen eine Wand“ fährst.


Auf Geraden langsam durch Fahrtechnik auf der Geraden: Mikro-Lenken, Positionierung und Energie-Management

Selbst auf einer Geraden kann man Zeit und Speed verlieren. Wenn du auf Geraden langsam bist, prüfe, ob du wirklich „gerade“ fährst. Viele Fahrer lenken unbewusst minimal, weil sie das Auto „zentrieren“, auf Bodenwellen reagieren oder sich zu früh fürs Anbremsen positionieren. Jeder zusätzliche Lenkwinkel erhöht den Rollwiderstand und kann – je nach Sim – auch Aerodynamik und Reifenschlupf beeinflussen.

Häufige Fahrtechnik-Fehler auf Geraden:

Ein praktikabler Selbstcheck: Fahre eine Runde, in der du die Gerade bewusst „entspannst“ – Blick weit nach vorne, Lenkrad so ruhig wie möglich, erst spät positionieren, keine hektischen Inputs. Wenn du dabei plötzlich näher an die Referenzgeschwindigkeit kommst, ist der Flaschenhals nicht das Setup, sondern dein Input.

Geraden-Speed ist oft ein Stabilitätsindikator: Wer auf Geraden langsam ist, fährt häufig ein Auto, das ihn zu Korrekturen zwingt. Dann lohnt sich entweder ein Setup-Schritt Richtung Stabilität (ohne Drag-Overkill) oder eine sauberere Exit-Technik, die das Auto früher beruhigt.


Auf Geraden langsam sichtbar machen: Telemetrie, Speed-Traces und eine einfache Fehler-Tabelle

Ohne Daten ist „auf Geraden langsam“ häufig nur ein Bauchgefühl. Mit Daten wird es konkret. Du brauchst dafür nicht zwingend Profi-Software; viele Sims liefern Basis-Telemetrie oder Vergleichsghosts. Entscheidend ist, dass du Geschwindigkeit über Distanz vergleichst, nicht nur eine einzelne Vmax-Zahl.

Achte besonders auf:

Hier eine kompakte Tabelle, um Ursachen schnell einzugrenzen:

Beobachtung (Symptom)Wahrscheinliche UrsacheSchnelltestTypische Lösung
Gegner zieht sofort nach Kurvenausgang wegExit-Speed/Gas zu spät oder instabilSpeed 10–50 m nach Exit vergleichenLinie öffnen, Gas progressiv, ggf. früher hochschalten
Du bist bis Mitte der Geraden dran, verlierst dannAero-Drag/zu viel WiderstandVergleich Vmax + „Speed-Kletterrate“Wing/Drag reduzieren, Fahrhöhe prüfen
Du hörst/sehen oft Begrenzer, aber wirst nicht schnellerSchaltpunkt zu spätFrühere Schaltpunkte testenOptimalen Shift-Point ermitteln, Begrenzer vermeiden
Auto wirkt „nervös“, viele KorrekturenStabilität/Setup oder InputLenkrad ruhig halten, Korrekturanzahl zählenSetup beruhigen, Exit sauberer, Lenkinput glätten

Wenn du auf Geraden langsam bist, liefert diese Systematik fast immer eine klare Richtung. Das Ziel ist, nicht zehn Dinge gleichzeitig zu ändern, sondern gezielt die größte Ursache zu isolieren.


Auf Geraden langsam abstellen: Ein konkreter 5-Schritte-Plan aus der Praxis

Damit du aus dem Wissen direkte Rundenzeit machst, brauchst du einen reproduzierbaren Prozess. Wer auf Geraden langsam ist, verliert sich oft in Setup-Änderungen, ohne die Fahrbasis zu sichern. Der folgende Plan ist bewusst pragmatisch und funktioniert in nahezu jedem Sim und jeder Fahrzeugklasse.

Schritt 1: Referenz schaffen
Fahre 3 saubere Runden mit identischem Sprit und gleichen Bedingungen. Notiere: Speed am Kurvenausgang (kurz danach), Speed zur Mitte der Geraden, Speed am Ende der Geraden. So erkennst du später, ob du wirklich besser wirst oder nur „anders“.

Schritt 2: Exit-Speed priorisieren
Fahre 5 Runden mit Fokus auf stabilem Gas. Ziel: einmal sauber früh ans Gas und dann ohne Korrektur durchziehen. Wenn du dabei weniger „kämpfen“ musst, wirst du meist sofort weniger auf Geraden langsam.

Schritt 3: Schaltpunkte testen
Wähle eine lange Gerade und teste zwei Schaltstrategien: einmal klassisch spät, einmal bewusst früher (inkl. möglichem Short-Shift aus langsamen Kurven). Vergleiche Endgeschwindigkeit und Delta.

Schritt 4: Aero-Drag in kleinen Dosen
Reduziere Drag schrittweise, nicht radikal. Ein Klick weniger Flügel oder eine kleine Änderung reicht, um zu sehen, ob du oben raus freier wirst – ohne den Exit zu ruinieren.

Schritt 5: Validieren und erst dann feintunen
Erst wenn du nicht mehr eindeutig auf Geraden langsam bist, lohnt Feinschliff: minimale Setup-Optimierung, Energie-Management, Bremsbalance für stabileren Exit.

Dieser Ablauf verhindert, dass du Symptome behandelst, während die Ursache bleibt.


Fazit: Wenn du auf Geraden langsam bist, liegt die Lösung fast immer in drei Hebeln

Auf Geraden langsam zu sein fühlt sich frustrierend an, weil es wie „Motorleistung“ wirkt – dabei ist es im Simracing fast immer ein Kombinationsproblem aus Exit-Speed, Schaltpunkten und Aero-Drag. Der wichtigste Gedanke: Die Gerade ist das Ergebnis dessen, was davor passiert. Wer früher stabil beschleunigt, schaltet im richtigen Band und reduziert unnötigen Widerstand, wird automatisch weniger auf Geraden langsam sein – ohne wilde Experimente.

Wenn du nur eine Sache aus dem Artikel mitnimmst, dann diese Reihenfolge: Erst den Kurvenausgang stabilisieren, dann Schaltpunkte messbar optimieren, dann Drag sinnvoll reduzieren. Nutze Daten statt Bauchgefühl, ändere immer nur einen Faktor und validiere über mehrere Runden. So wird aus „Ich bin auf Geraden langsam“ ein klar lösbares Setup- und Fahrproblem – und du machst aus jeder langen Gerade eine Chance, Positionen zu gewinnen.

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