Du hast dir endlich ein neues Lenkrad, eine Button-Plate oder einen Quick-Release gegönnt – und dann passiert das, was im Simracing häufiger vorkommt als einem lieb ist: Nichts passt zusammen. Schrauben greifen nicht, Bohrungen fluchten nicht, oder die gelieferten Schrauben sind zu kurz, zu lang oder im falschen Durchmesser. In vielen Fällen liegt die Ursache nicht an „schlechter Qualität“, sondern an einem unscheinbaren Detail: dem 70 mm Lochbild und den damit verbundenen Standards rund um PCD sowie M6/M8. Was auf dem Papier kompatibel klingt, scheitert in der Praxis oft an kleinen Abweichungen, unterschiedlichen Auslegungen und fehlenden Angaben in Produktbeschreibungen.
Das 70 mm Lochbild gilt im Simracing als eine Art Quasi-Standard – besonders bei vielen Aftermarket-Lenkrädern, Naben, QR-Systemen und Button-Plates. Trotzdem ist „70 mm“ nicht automatisch gleich „passt“. Hersteller nutzen verschiedene Lochanzahlen, Schraubentypen, Senkungen, Materialstärken und Toleranzen. Dazu kommt: Manche Bauteile sind für M6 ausgelegt, andere für M8 – und nicht selten steht das nur im Kleingedruckten (oder gar nicht). Dieser Artikel zeigt dir, warum Kompatibilität beim 70 mm Lochbild so oft scheitert, wie du typische Fallen vermeidest und wie du dein Rig so planst, dass du nicht zweimal kaufst.
70 mm Lochbild: PCD, Lochkreis und warum „70 mm“ nicht immer 70 mm ist
Wenn im Simracing vom 70 mm Lochbild die Rede ist, meint man in der Regel den Lochkreis (PCD – Pitch Circle Diameter). Das ist der Durchmesser des gedachten Kreises, auf dem die Schraubenlöcher liegen. Beim klassischen 70-mm-Standard sind die Bohrungen so angeordnet, dass sie auf einem Kreis mit 70 mm Durchmesser sitzen. Klingt eindeutig – ist es aber nur teilweise. Denn in der Praxis existieren mehrere Varianten, die unter dem gleichen Begriff vermarktet werden: 3-Loch- oder 6-Loch-Anordnung, unterschiedliche Bohrungsdurchmesser, abweichende Senkungen oder minimale Maßtoleranzen.
Ein häufiger Irrtum: Viele Nutzer messen „von Loch zu Loch“ und schließen daraus auf den Lochkreis. Das kann täuschen, weil du je nach Lochanzahl und Messpunkt nicht direkt auf 70 mm kommst. Zudem können Fertigungstoleranzen bei Adapterplatten oder günstigen Naben dazu führen, dass sich die Löcher minimal versetzen – und schon bekommst du Schrauben schräg angesetzt oder gar nicht erst durch. Gerade bei passgenauen Kombinationen aus Quick-Release, Button-Plate und Lenkrad summieren sich kleine Abweichungen.
Wichtig ist auch die Frage, ob das 70 mm Lochbild als „Durchgangsbohrung“ gedacht ist (Schraube geht durch und wird auf der Gegenseite mit Mutter gekontert) oder als Gewindebohrung (Schraube greift direkt in ein Gewinde im Bauteil). Diese Unterscheidung entscheidet später darüber, welche Schrauben du brauchst – und ob M6 oder M8 überhaupt sinnvoll ist.
M6 vs. M8 beim 70 mm Lochbild: Schraubengröße, Gewinde, Stabilität und typische Missverständnisse
Beim 70 mm Lochbild ist die Schraubengröße einer der häufigsten Gründe für Fehlkäufe. M6 und M8 beschreiben den Nenndurchmesser des Schraubengewindes: 6 mm vs. 8 mm. Viele Simracing-Komponenten sind historisch auf M6 ausgelegt, weil es für Lenkradmontagen ausreichend stabil ist und sich gut in kompakte Naben integrieren lässt. Gleichzeitig setzen einige Hersteller – vor allem bei massiveren Quick-Releases, Metall-Button-Plates oder Industrieadaptern – auf M8, um mehr Auflagefläche und höhere Belastbarkeit zu erzielen.
Das Problem: Selbst wenn beide Komponenten „70 mm“ angeben, kann die eine Seite Durchgangslöcher für M6 haben, während die andere Seite Gewinde für M8 erwartet. Oder umgekehrt: Du hast ein Bauteil mit M6-Gewinde, bekommst aber M8-Schrauben mitgeliefert, weil der Hersteller einen universellen Hardware-Kit beilegt. Ergebnis: Schrauben greifen nicht – oder du beschädigst beim Erzwingen das Gewinde.
Zusätzlich gibt es die Falle der Schraubenlänge. Beim 70 mm Lochbild hängt die passende Länge nicht nur vom Lenkrad ab, sondern von der gesamten „Stack-Höhe“: Lenkrad/Plate + QR-Front + Distanzring + ggf. Unterlegscheibe. Zu kurz: hält nicht sicher. Zu lang: stößt an interne Bauteile (z. B. Elektronik, Magnete, QR-Verriegelung) oder drückt Material auf Spannung. Gerade bei Button-Plates können zu lange Schrauben Leiterplatten oder Kabelkanäle treffen – ein teurer, unsichtbarer Schaden.
Eine saubere Planung beginnt daher immer mit: (1) Gewindetyp prüfen, (2) Schraubendurchmesser bestimmen, (3) benötigte Einschraubtiefe und maximale Länge kontrollieren.
Warum Kompatibilität beim 70 mm Lochbild oft scheitert: Die häufigsten Praxis-Fallen
Dass ein 70 mm Lochbild „nicht passt“, hat in der Regel mehrere Ursachen, die sich im Alltag überlagern. Die häufigste ist eine unvollständige Spezifikation: Produktseiten nennen den Lochkreis, verschweigen aber Lochanzahl, Bohrungsdurchmesser, Senkungstyp oder ob Gewinde vorhanden sind. Was dann im Warenkorb kompatibel wirkt, scheitert beim Montieren.
Typische Fallstricke sind:
- 3-Loch vs. 6-Loch: Manche Naben oder QR-Fronten haben nur 3 Bohrungen auf 70 mm, andere 6. Ein 6-Loch-Lenkrad kann oft auf 3-Loch montiert werden – aber nicht immer, wenn die Bohrungen nicht als Teilmenge ausgelegt sind.
- Senkung und Schraubenkopf: Flachkopf, Senkkopf, Linsenkopf – je nach Button-Plate oder Lenkradmulde braucht es einen bestimmten Kopf, sonst steht die Schraube über, schleift oder spannt. Beim 70 mm Lochbild ist das relevant, weil viele Frontplatten sehr eng toleriert sind.
- Toleranzen und Material: CNC-gefräst vs. gelasert vs. gegossen – minimale Abweichungen reichen, damit Schrauben sich verkanten.
- Quick-Release-Geometrie: Einige QR-Systeme nutzen eigene Frontmuster oder kombinieren 70 mm mit zusätzlichen Passstiften. Fehlen Passungen, sitzt das Lenkrad minimal verdreht oder unter Last nicht sauber plan.
- Elektrik und Freigängigkeit: Bei Button-Plates können Schrauben, Unterlegscheiben oder Distanzringe mit Steckern, Schleifringen oder internen Kabeln kollidieren.
Unterm Strich ist das 70 mm Lochbild zwar ein verbreiteter Standard, aber kein vollständiger Kompatibilitätsnachweis. Ohne Prüfung von Schraubenmaß, Lochart und Aufbauhöhe ist „70 mm“ nur ein Teil der Wahrheit.
Mess- und Kauf-Checkliste: So prüfst du das 70 mm Lochbild vor dem Kauf (und vor dem Montieren)
Wer beim 70 mm Lochbild auf Nummer sicher gehen will, braucht eine kleine Routine – und die spart dir im Zweifel Geld, Zeit und Nerven. Idealerweise prüfst du bereits vor dem Kauf die Eckdaten deiner Kette: Lenkrad/Plate, Quick-Release, Nabe/Hub, Wheelbase-Seite. Falls Angaben fehlen, orientierst du dich an messbaren Faktoren und planst mit einem passenden Schraubenset.
Praktische Checkliste (vor Kauf und Montage):
- Lochanzahl klären: Hat das Teil 3 oder 6 Bohrungen auf dem 70-mm-Kreis? Passt deine Gegenkomponente dazu?
- Bohrung vs. Gewinde: Sind es Durchgangslöcher oder Gewindelöcher? Wenn Gewinde: M6 oder M8?
- Senkung prüfen: Benötigst du Senkkopf (bündig), oder ist ein Zylinder-/Linsenkopf vorgesehen?
- Stack-Höhe messen: Gesamtdicke aller Teile im Schraubbereich bestimmen. Daraus Schraubenlänge ableiten.
- Maximale Einschraubtiefe: Wie tief darf die Schraube ins Gewinde, ohne innen anzustoßen?
- Planauflage sicherstellen: Liegt alles sauber an, ohne dass Lack, Grate oder Kabelkanäle stören?
- Zentrierung beachten: Gibt es Zentrierringe, Passstifte oder eine konische Führung?
- Anzug gleichmäßig: Schrauben über Kreuz anziehen, damit das 70 mm Lochbild spannungsfrei sitzt.
Diese Checkliste klingt banal, verhindert aber die typischen „fast passend“-Situationen, die am Ende zu Spiel, Knarzen, schiefem Sitz oder beschädigten Gewinden führen.
Praxisbeispiele aus dem Rig-Alltag: Wenn das 70 mm Lochbild theoretisch passt – aber praktisch scheitert
Ein klassischer Fall: Du montierst eine Button-Plate zwischen Quick-Release und Lenkrad. Beide werben mit 70 mm Lochbild, aber die Plate hat Senkungen für Senkkopfschrauben M6, während dein QR-Frontteil Durchgangslöcher ohne Senkung erwartet. Du nutzt die falschen Schraubenköpfe, sie stehen minimal über, und plötzlich schleift das Lenkrad beim Einrasten am QR-Ring. Ergebnis: Kratzer, schwergängiger Mechanismus, im schlimmsten Fall unzuverlässiges Verriegeln.
Ein zweites Beispiel: Ein Lenkrad mit 70 mm Lochbild ist für M6 gedacht, dein Metall-Hub hat jedoch M8-Gewinde. Du bekommst die Schrauben zwar „irgendwie“ durch, aber nur mit Spiel oder improvisierten Unterlegscheiben. Unter Force-Feedback-Last arbeitet sich die Verbindung minimal los, es entsteht Mikrobewegung – hörbar als Knacken, spürbar als schwammiges Feedback. Das fühlt sich nicht nur schlecht an, es kann auf Dauer Bohrungen ovalisieren.
Drittes Beispiel: Schraubenlänge. Du wählst Schrauben, die 2–3 mm zu lang sind. Beim Anziehen stoßen sie innen gegen einen Anschlag, bevor die Flächen wirklich pressen. Von außen sieht alles fest aus, aber das 70 mm Lochbild wird nicht sauber geklemmt. Nach einigen Sessions lockert sich die Verbindung – und du suchst die Ursache an der falschen Stelle.
Die Lehre aus allen Fällen: Kompatibilität ist nicht nur Lochkreis. Beim 70 mm Lochbild entscheidet die Gesamtkonstruktion aus Gewinde, Kopf, Länge, Senkung und Freigängigkeit.
Lösungen: Adapter, Schraubensets und saubere Standards für ein zuverlässiges 70 mm Lochbild
Wenn du bereits Komponenten hast, die beim 70 mm Lochbild nicht sauber zusammengehen, gibt es praxistaugliche Lösungen – ohne dass du sofort alles ersetzen musst. Entscheidend ist, dass du nicht „hinpfuschst“, sondern eine technisch saubere Verbindung herstellst.
Bewährte Lösungswege:
- Passendes Schraubenset statt Mischkiste: Ein sauber zusammengestelltes Set aus M6 und/oder M8 in abgestuften Längen, dazu passende Unterlegscheiben. Damit kannst du die Einschraubtiefe exakt treffen.
- Adapterplatte (70 mm auf 70 mm): Klingt redundant, ist aber oft der sauberste Weg, um Senkungstyp, Lochanzahl (3/6) oder Bohrungsdurchmesser zu harmonisieren. Gleichzeitig kann eine Adapterplatte Distanz schaffen, wenn Freigängigkeit für Kabel oder QR-Mechanik fehlt.
- Gewindeeinsätze/Helicoil nur mit Know-how: Wenn ein Gewinde beschädigt ist oder du von M6 auf M8 „aufrüsten“ willst, sind Einsätze möglich – aber nur, wenn Materialstärke und Randabstände stimmen.
- Planflächen nacharbeiten: Kleine Grate, Lacknasen oder Fertigungsrückstände verhindern manchmal, dass das 70 mm Lochbild plan anliegt. Sorgfältiges Entgraten kann Wunder wirken.
- Gleichmäßiger Anzug und Kontrolle: Nach den ersten Sessions Schrauben prüfen. Eine korrekt montierte Verbindung bleibt stabil, eine grenzwertige Kombination arbeitet sich sonst frei.
Ziel ist immer: Das 70 mm Lochbild soll nicht nur „montierbar“ sein, sondern unter Force-Feedback-Last dauerhaft spielfrei bleiben. Das erreichst du mit definierter Hardware, planem Sitz und korrekter Schraubenwahl.
Kompatibilität auf einen Blick: Typische Kombinationen rund ums 70 mm Lochbild
| Komponente A | Komponente B | Häufiges Problem | Saubere Lösung |
|---|---|---|---|
| Lenkrad (70 mm, M6 Durchgang) | Hub (70 mm, M6 Gewinde) | Schraubenlänge unklar, Einschraubtiefe falsch | Stack-Höhe messen, passende M6-Länge wählen |
| Lenkrad (70 mm, 6-Loch) | QR-Front (70 mm, 3-Loch) | Lochanzahl passt nicht als Teilmenge | Adapterplatte 6→3 oder passende Front wählen |
| Button-Plate (Senkung) | QR-Front (ohne Senkung) | Schraubenköpfe stehen über, QR schleift | Schraubenkopf passend wählen oder Adapter mit Senkung |
| Hub (M8 Gewinde) | Lenkrad (M6 Bohrungen) | Durchmesser passt nicht, Spiel/Improvisation | Passender Hub/Adapter, nicht „aufbohren“ ohne Plan |
| Lenkrad/Plate + Distanz | QR-System | Schrauben zu lang, innen Anschlag | Maximale Schraubenlänge prüfen, kürzere Schrauben |
Diese Übersicht soll dir helfen, typische Stolpersteine beim 70 mm Lochbild früh zu erkennen und direkt technisch korrekt zu lösen.
Fazit: Mit dem 70 mm Lochbild wird dein Setup erst dann „Standard“, wenn du die Details beherrschst
Das 70 mm Lochbild ist im Simracing zwar der verbreitetste Bezugspunkt für Lenkrad- und QR-Montagen, aber es ist kein Garant für Plug-and-Play. Kompatibilität scheitert selten an den „70 mm“ selbst, sondern an den Nebendetails: 3- vs. 6-Loch, Durchgangsbohrung vs. Gewinde, M6 vs. M8, Senkung und Schraubenkopf, Schraubenlänge und Freigängigkeit. Wer diese Faktoren ignoriert, riskiert Spiel, Geräusche, beschädigte Gewinde oder sogar einen unsicheren Sitz unter starkem Force Feedback.
Wenn du dir angewöhnt, das 70 mm Lochbild systematisch zu prüfen – mit Messroutine, klarer Hardware-Auswahl und einem Blick auf die gesamte Stack-Höhe – baust du ein Rig, das dauerhaft stabil bleibt und sich auch bei Upgrades nicht ständig selbst im Weg steht. Der praktische Mehrwert ist groß: weniger Fehlkäufe, schnelleres Montieren, bessere Haptik und ein sauberer, spielfreier Lenkradeindruck.
Nutze die Checkliste aus diesem Artikel vor deinem nächsten Kauf oder Umbau. Dann ist das 70 mm Lochbild nicht mehr der Grund, warum dein Setup scheitert – sondern der Standard, auf den du dich verlassen kannst.

